Kreisky´s Doktrin "lieber ein paar Milliarden mehr Schulden als einige 1000 Arbeitslose mehr" hat allem Anschein nach mehr Nachahmer gefunden als den europäischen Finanzen gut tut. Im unangenehmsten Szenario könnte es darauf hinauslaufen, neben den Schulden auch eine ernstzunehmende Inflation, ernstzunehmende Arbeitslosigkeit und nachhaltige Krise in Kauf nehmen zu müssen.
Nun war der Begriff der "Milliarde" vor 40 Jahren im Vergleich zu heute ein recht moderater, entspricht eine Milliarde Schilling ja "nur" 70 Millionen Euro (so circa) - ein Betrag der uns heutzutage fast lächerlich erscheint.
Überhaupt scheint die Währungsunion unser aller Wahrnehmung von Kapitalwerten etwas verändert zu haben. Waren die Kosten für die Eurofighter in (25 Milliarden) Schilling angegeben in den 90ern noch unglaublich und horrend, fällt es heute kaum mehr auf wenn der Staat Österreich für 2 Milliarden Euro neuer Schulden kaum mehr als einen Monat benötigt.
Gleichwohl Herr Pröll mit süßen Babyfotos auf die Verschuldung des einzelnen Österreichers und der einzelnen Österreicherin (für 23.900 Euro = 330.000 alte Schillinge hätte man vor 10 Jahren noch einen schönen Minivan bekommen) hinweist und kokett die notwendigen gemeinsamen Anstrengungen zum Schuldenabbau beschwört wird man doch den Eindruck nicht los daß immer "die anderen" zum Sparen eingeladen werden sollen. Im Falle des Kompromisses mit der SPÖ auch die "anderen Anderen" - in letzter Konsequenz also alle Steuerzahler. Beim Sparen im eigenen Haus siehts da mit der Motivation schon etwas dürftiger aus.
Ein Schelm wer hier an den Versuch der Regierungsparteien denken mag, eigenen Machtumfang weiterhin durch großzügige Personalausstattung zu begründen - ohne Rücksicht auf die Möglichkeiten der Finanzierung.
Griechenland zeigt in imposanter Weise vor, welche Folgen ein derartiges Verhalten ungebremsten inneren Konsumes des Staates mit sich bringt - und ist gleichzeitig die Makro-Version des schon fast genialen Haider Planes für Kärnten. In Kärnten war es erstmals gelungen, die Kosten eigenen (möglicherweise wählerstromoptimierend bewußten) wirtschaftspolitischen Fehlverhaltens auf die nächstgrößere Einheit von Steuerzahler/inn/en (also die Republik) aufzuteilen, vielleicht sogar Bayern mit einzubeziehen.
Ein Geniestreich - aber auch voll beinahe krimineller Energie. Griechenland führt dieses Experiment nun in wirklich grossen Dimensionen weiter und erweitert den Einzugsbereich an Steuerzahlern zur Abdeckung der eigenen Mißwirtschaft und Korruption gleich auf die gesamte europäische Union.
Im Einzelfall ein "bestechendes" Modell, zur Regel gemacht der Tod der Union.
Im Unternehmensbereich führt Mißwirtschaft - und wie anders sollte man die Bereitstellung einer viel zu grossen Anzahl öffentlich Bediensteter nennen - in fast allen Fällen zwingend in die Insolvenz, günstigenfalls in Form des "redlichen Scheiterns" mit halbwegs überschaubaren Folgen für die Allgemeinheit.
Im Umfeld mancher Staaten und Regierungen unserer Union scheint es für ein "redliches Scheitern" an zwei Dingen zu fehlen - möglicherweise der Redlichkeit, sicherlich aber an der Möglichkeit des Scheiterns ohne die Union in den Abgrund zu ziehen.
Bundesminister Pröll und viele andere wären deshalb gut beraten, ihre eigenen Parolen ernst zu nehmen und mit sinnvoller Sparsamkeit auf die aktuelle Situation zu reagieren. Seit der Regierungs-Neubildung in Großbritannien scheint man dort verstärkt in diese Richtung zu denken. Potenzial für Sparsamkeit gäbe es auch in Österreich mehr als genug.